1. Jahrhundert v. Chr.
4. Jahrhundert n. Chr.
Frühgeschichte (Antike oder Römische Eisenzeit)
Was ist "Antike"?
Bildrechte Theatrum Pompei Project

"Antike" ist ein Hilfsbegriff, der im weitesten Sinn die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum bezeichnet. Die "Antike" reichte von etwa 1200 v. Chr. bis 600 n. Chr. Ihr besonderes Merkmal sind gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen.

Im engeren Sinn sind damit aber nur das klassische Griechenland und das Römische Reich, unter dessen Vorherrschaft der Mittelmeerraum politisch wie kulturell seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. vereint wurde gemeint. Die Völker in Nord-, Mittel- und Westeuropa spielten nur im Rahmen von Handel, politischen Kontakten und Eroberungen eine Rolle,. Sie gehören also nicht zur antiken Kultur in dem Sinne wie im Mittelmeeraum.

Aber natürlich verfügten diese Völker auch über sehr hochstehende Kulturen. Nur eben anders, nicht vergleichbar mit den mittelmeerischen Hochkulturen. Wenn es also keine "Antike" war, wie bezeichnen Archäologen und Althistoriker die Kultur der Gallier, Briten und Germanen?

"Römische Eisenzeit" = "Römische Kaiserzeit"

Fibelfunde von einem germanischen Opferplatz im Braunschweiger Stadtgebiet Einheitliches Kriterium für die vielen unterschiedlichen Kulturkreise und Völker außerhalb der mediteranen Welt ist die Verwendung von Eisen, weshalb bei uns diese Epoche "Eisenzeit" genannt wird. In Nordeuropa - also auch die nördlichen Teile Germaniens betreffend - unterteilt man die Eisenzeit in "vorrömische Eisenzeit" und "römische Eisenzeit". Die Datierung der "Römischen Eisenzeit" vom 1. vor- bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert (375 n. Chr.) beruht auch auf der Datierung des römischen Importgutes in der Germania libera.

In der deutschen Forschung wird die "Römische Eisenzeit" auch als "Römische Kaiserzeit" bezeichnet. Dieser Begriff bezeichnet die Epoche der Alleinherrschaft der Kaiser in Rom, beginnend mit Augustus, nach dem Ende der Republik ca. 31. v. Chr.

Aber was haben unsere Vorfahren mit einem Herrschaftssystemwechsel im fernen Rom zu tun?

Die "Römische Kaiserzeit" steht auch für einen Wandel in der Aussenpolitik des Reiches. Nach jahrzehntelangen inneren Konflikten und Bürgerkriegen kam das Reich zur Ruhe und konnte seine Expansionspolitik wieder aufnehmen. Ganz Gallien war schon vor Christi Geburt erobert. Nun folgte Britannien, dass ebenfalls romanisiert wurde.

Römer und "Germanen" in Norddeutschland

"Germanen" nannten nur die Römer die Bewohner rechts des Rheins. Tatsächlich aber fanden sie kein Volk, sondern eine Vielzahl von höchst unterschiedlichen Stämmen vor. Weder Sprache noch Kultur waren einheitlich. D.h., es gab auch keine einheitliche "germanische" Sprachfamilie und auch die Gleichsetzung archäologischer Fundtypen mit einheitlichen Volksgruppen ist nach dem heutigen Forschungsstand nicht mehr aufrecht zu erhalten. Der "Germanenbegriff" in der modernen Forschung reduziert sich auf Abstammungsgemeinschaften, die sich in Traditionskernen niederschlagen.1

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie am Beispiel der Nordelbgermanen, wie sie siedelten, ihre Toten bestatteten und ihren Göttern huldigten. In Dorstadt können Sie die Lebensweise - Wirtschaft, Handel, Kleidung und Ernährung - sowie die Kampfesweise der Nordelbgermanen selbst erfragen und erleben ...weiter

Kaiser Augustus ließ in den beiden letzten vorchristlichen Jahrzehnten zahlreiche Stützpunkte, Kolonien und Städte gründen (Augsburg), vor allem aber am linken Ufer des Rheins (Bonn, Neuss, Xanten, Mainz, Koblenz, Köln, Trier). Von hier aus stießen die Legionen seiner Söhne Drusus und Tiberius in die "Terra incognita" Germaniens vor vor. Ziel war es, den römischen Einfluss bis zur Elbe voranzutreiben.

Varusschlacht. Historiengemälde von Friedrich Gunkel, 1864

Wegen der Verschiedenheit und vor allem der ständige Kriege der germanischen Stämme untereinander erwartete man wohl keine größeren Probleme bei deren Unterwerfung. Anfangs sah es auch so aus, als ob dies schnell gelingen würde. Römische Flotten kontrollieren die Nordsee, fuhren die Ems und Lippe hoch, Drusus' Legionen drangen bis zur Elbe und Saale vor, römische Verbände patrollierten in der Norddeutschen Tiefebene.

Die Römer legten weit im Inneren Niedergermaniens Stützpunkte und Vorposten an. Von diesen zogen sie sich im Herbst in die Winterquartiere in die schon gesicherten Gebiete zurück. Auf einem dieser Rückmärsche aus dem Stammesgebiet der Cherusker (östl. und westlich der Weser) gelang es einem Reiterpräfekten namens Arminius, der römischer Bürger und Ritter, aber auch Sohn eines cheruskischen Adligen war, mit seinem "Insiderwissen" den Statthalter für Germanien, Publius Quinctilius Varus, der mit Arminius befreundet war und ihm vertraute, in die Falle zu locken und über mehrere Tage hinweg mittels Guerillataktik dessen drei Legionen zu vernichten.

Von langanhaltender Wirkung war diese Niederlage nicht. Tiberius und seine Nachfolger drangen immer wieder nach Niedergermanien vor und schlugen fast alle Aufstände nieder. 85 n. Chr. wurde Niedergermanien zur Provinz "Germania inferior" erklärt, konnte aber nicht, wie der Süden Germaniens - die "Germania superior" - kolonisiert werden. Und wie jüngste Funde in Südniedersachen, aber auch römische Schriftquellen belegen, operierten die Römer noch im 3. Jahrhundert recht erfolgreich in Niedergermanien. ...weiter

Wie ging es weiter?

Bildrechte: Chasuari In der "Römischen Kaiserzeit" kam es nicht nur zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Weit umfangreicher und bedeutender waren die jahrhundertelangen Kontakte und der Austausch zwischen Römer und Germanen. Es fand ein intensiver Kulturtransfer in allen Lebenbereichen statt, auch in dem nicht kolonisierten Teil Niedergermaniens. Am Ende waren es germanische Adlige und Fürsten, welche die römische Lebenswiese übernahmen und die Nachfolge des Römischen Reiches antraten.

In den folgenden Jahrhunderten - allgemein gefasst vom 4. bis zum 6. Jahrhundert - gingen viele germanische Völker auf ausgedehnte Wanderschaften und Eroberungsfeldzüge. In dieser, Völkerwanderungszeit genannten Epoche, stießen sie in das Machtvakuum vor, welches das zusammengebrochenen Römische Reich hinterließ und gründeten Nachfolgereiche.

Die erfolgreichsten von ihnen - das Frankenreich, die englischen Reiche der Sachsen, die italienischen Reiche der Langobarden und Ostgoten und das spanische Westgotenreich - haben als Nationen bis heute Bestand. Und mit der Krönung des fränkischen Königs Karl zum Kaiser des Römischen Reiches im Jahre 804 beginnt die Geschichte des modernen Europa - und die des Mittelalters...