1460
1486 n. Chr.
Die Zeit der großen Fehden

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Die zweite Hälfte des 15. Jh. ist - wie überall im Reich - geprägt von den Territorialisierungsbestrebungen der Landesherrn. Im Zuge der Konsolidierung ihrer Herrschaftbereiche ist eines ihrer Hauptziele, die Autonomie ihrer Städte, die diese im Laufe des 13. und 14. Jh. erlangt hatten, wieder einzuschränken. Und auch die geistlichen Stadtherren drängen wieder auf mehr Einfluss in ihren Städten (z.B. Soest).

Als "Zeit der großen Fehden" (1460-1500) wird die Zeit bezeichnet, in der die welfischen Landesfürsten und die Bischöfe versuchten, die (nieder)sächsischen Städte wieder in ihre Herrschaftsbereich einzugliedern.

Einer der markantesten Konflikte dieser Zeit ist der sog. "Große Hildesheimer Bierkrieg" (1481-86) zwischen Bischof Barthold II. von Hildesheim und seinen Verbündeten Herzog Wilhelm II. dem Jüngeren, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel-Calenberg-Göttingen (*1425, +1503) und dessen Sohn Heinrich d. Älteren (*1463, +1514) mit der Stadt Hildesheim und deren Verbündeten, der Tohopesate der sächsischen Städte...

Bildrechte Jonas Radtke

Im Oktober 1481 schrieb der neue Hildesheimer Bischof Berthold II. von Landsberg auf dem Landtag eine allgemeine Landbede (Landsteuer) aus, zu der er auch die von dieser Schatzung nicht betroffene Stadt Hildesheim heranziehen wollte. Er erließ eine indirekte, dass ganze Stift betreffende "Getränkesteuer", die sogenannte "Bierzise" in Höhe von 3 lüb. Schillingen auf jedes Fass Bier. Damit die Kosten gleichmäßig auf Erzeuger und Verbraucher verteilt blieben, sollten die Maße im Ausschank einfach entsprechend verkleinert werden.

Die Besteuerung des wichtigsten deutsche Grundnahrungsmittels, zeitgenössisch schon unter der Bezeichnung "Ungeld" bekannt, diente eigentlich kommunalen Zwecken und war bislang nur selten als Landsteuer ausgeschrieben worden.

Dies musste den Widerstand nicht nur Hildesheims wecken. Unschwer erkannte die Räte der sächsischen Städte in der steuerlichen Neuerung auch das Bestreben der Stadtherrn, massiv in die Freiheiten der Kommunen einzugreifen und damit den allgemeinen "Trend" in der 2. Hälfte des 15. Jh. fortzusetzen. Mit dieser, auf "die Seele des Deutschen" zielenden Steuer provozierte der Hildesheimer Bischof den längsten und umfassendsten Krieg in der Zeit der großen Fehden, in der immer wieder Bier eine entscheidende Rolle spielen sollte...

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Die Hildesheimer Fehde ist auch ein exemplarisches Beispiel für den Wandel von den Feudalheeren und den städtischen Aufgeboten zum reinem Söldnerheer im Verlaufe des 15. Jahrhundert..

Forschungsaufsatz: Städtisches Aufgebot und spätmittelalterliches "Söldnerwesen" in der Zeit der großen Fehden »»»

Für die Darstellung der "Hildesheimer Bierfehde" haben sich hochqualifizierte Darsteller mit dem Schwerpunkt Militärgeschichte der 2. Hälfte des 15. Jh. zusammengefunden. Unter dem Projektnamen "Aufgebot des Edelknappen Bartold von Rutenberg Anno 1485" stellen sie eine typische ritterliche "Lanze" (Glevinghe), eine taktische Einheit, bestehend aus "eynem hern und zwei knechten" des 15. Jh. nebst besoldeten Fußknechten dar, wie sie 1485 während der Bierfehde unter der Führung des bischöflichen Lehnsmannes Bartold von Rutenberg im Einsatz war. Präsentiert werden in der Zeitinsel spätmittelalterliche Ausrüstung und Waffen, Drill und Taktiken und Leben im Feldlager.