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ZeitenWandel: Stadtfreiheit & Fürstenmacht

Jean le Tavernier, HSS, Dedikationsminiatur, 1460 - Flämische Straßenszene
Jean le Tavernier, HSS, Dedikationsminiatur, 1460
Flämische Straßenszene

Das 14. und 15. Jh. sind die Zeit der größten städtischen Unabhängigkeit. Viele deutsche Städte verfügen über so weitreichende Autonomie von ihren Landes- oder Stadtherren, dass sie eine eigenständige Handels- und Außenpolitik betreiben können. Dies geschieht europaweit im Verbund großer mächtiger Städtebünde, von denen die Hanse der umfangreichste und bedeutendste ist. Auf territorialer und regionaler Ebene schließen sich die Städte in den sogenannten "Tohopesaten" zu Schutz und gegenseitiger Unterstützung gegen die Landesherren und Friedensstörer zusammen. Es ist die Zeit des Aufstiegs der Städte...weiter

Auf dem Weg zur Unabhängigkeit profitieren die Städte Niedersachsens vor allem von dem sogenannten Lüneburger Erbfolgekrieg der Landesherren untereinander (1371-1388). Die Machtkämpfe zwischen Welfen und Wettiner schwächen die landesherrliche Gewalt, die finanzstarken Städte bieten ihre Hilfe an und erhalten dafür weitgehende Zugeständnisse und Privilegien...weiter

Seit Anfang des 15. Jh. beginnt sich das Verhältnis zwischen den Städten und den zu neuer Macht aufsteigenden Landesfürsten zu wandeln. In der allerorts im deutschsprachigen Raum einsetzenden Territorialstaatsbildung werden die Städte immer häufiger in lange und teure Konflikte hineingezogen. Die Landesherren fordern zunehmend ihre verlorene Rechte zurück und versuchen die Städte wieder in ihre Territorialherrschaften einzugliedern.

Auch die Städte in den welfischen Territorien sind davon betroffen. Sie erkennen zwar den ZeitenWandel und versuchen mit allen Mitteln - finanziellen, politischen und militärischen - die Entwicklung aufzuhalten. Aber die Verletzungen ihrer Privilegien durch die erstarkenden Landesherren häufen sich seit der Mitte des 15. Jh. und für die niedersächsischen Städte beginnt die "Zeit der große Fehden"...weiter

Diese ständigen Kleinkriege, wie z.B. der sogenannte "Hildesheimer Bierkrieg" (1481-86), nur einer von vielen in der Zeit, treiben die Städte schließlich an den Rand des finanziellen Ruins und im 16.Jh. beginnt der stetige Abstieg der einst mächtigen Städte...